Was die Maschinenverordnung verlangt - und wie aus dem QR-Code ein zukunftsfähiger Produktzugang wird
Papier sparen ist nur der Anfang
Hunderte Seiten drucken, der Maschine beilegen und hoffen, dass die Anleitung Jahre später noch auffindbar ist: Dieses Vorgehen passt immer weniger zu digitalen Produkten und effizienten Serviceprozessen. Die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 trägt dieser Entwicklung Rechnung. Ab dem 20. Januar 2027 dürfen Betriebsanleitungen unter klar definierten Bedingungen digital bereitgestellt werden. Der aktualisierte Leitfaden der EU-Kommission zur heute noch geltenden Maschinenrichtlinie zeigt zudem, dass Hersteller diese Möglichkeit bereits vor 2027 nutzen können, wenn sie sich an den Anforderungen der neuen Maschinenverordnung orientieren.
Der entscheidende Punkt: Eine digitale Betriebsanleitung ist nicht einfach eine PDF-Datei, die irgendwo auf der Unternehmenswebsite liegt. Sie ist Teil eines verlässlichen Bereitstellungskonzepts.
Was muss eine digitale Betriebsanleitung können
Artikel 10 Absatz 7 der Maschinenverordnung nennt konkrete Anforderungen. Der Zugang zur Anleitung muss am Produkt, auf der Verpackung oder in einem Begleitdokument gekennzeichnet sein. Die Anleitung muss zum jeweiligen Produktmodell passen und so bereitgestellt werden, dass sie gedruckt, heruntergeladen und lokal gespeichert werden kann. Das ist wichtig, weil Anwender auch bei einer Maschinenstörung auf die Informationen zugreifen können müssen.
Hinzu kommt die langfristige Verfügbarkeit: Die Anleitung muss während der erwarteten Lebensdauer der Maschine und mindestens zehn Jahre nach dem Inverkehrbringen online zugänglich bleiben. Auch die richtige Sprache, klare Darstellung und gute Lesbarkeit bleiben selbstverständlich verpflichtend.
Für nicht professionelle Anwender gelten zusätzliche Schutzvorgaben. Die wesentlichen Sicherheitsinformationen für Inbetriebnahme und sichere Verwendung müssen in diesen Fällen weiterhin auf Papier mitgeliefert werden. Ausserdem hat der Käufer bei rechtzeitiger Anfrage Anspruch auf eine kostenlose Papierfassung der vollständigen Anleitung. Digital bedeutet also nicht automatisch vollständig papierlos.
Warum der QR-Code allein nicht genügt
Ein QR-Code ist der naheliegende Weg vom Produkt zur Anleitung. Seine Qualität zeigt sich jedoch erst dahinter. Führt der Code zu einer allgemeinen Downloadseite, müssen Nutzer das richtige Modell und die passende Version selbst suchen. Ändern sich Webadressen oder Dateinamen, kann der aufgeklebte Code unbrauchbar werden. Und ohne geregelte Zuständigkeiten bleibt offen, ob die richtige Sprachversion und der gültige Dokumentenstand bereitstehen.
Eine tragfähige Lösung verbindet deshalb einen dauerhaften Zugang mit einer klaren Produktstruktur. Bei ECHO PRM kann die Web-App bis auf die Seriennummer eines Produkts zugeschnitten werden. Dokumente und Ressourcen werden zentral verwaltet und einer Produktkategorie, einem Kunden, einer Seriennummer oder einem Projekt zugeordnet. Der gleiche Inhalt lässt sich an mehreren Stellen referenzieren und zentral aktualisieren.
Welches PDF-Format ist richtig
Die Maschinenverordnung verlangt kein PDF/X und schreibt auch PDF/A nicht ausdrücklich vor. PDF/X wurde für den zuverlässigen Datenaustausch in der Druckproduktion entwickelt und ist deshalb nicht die passende Bezeichnung für eine digitale Betriebsanleitung. PDF/A ist dagegen auf die langfristige Reproduzierbarkeit elektronischer Dokumente ausgerichtet.
FCT.swiss empfiehlt für klassische Betriebsanleitungen in der Regel ein durchsuchbares und navigierbares PDF/A-2b. Wichtiger als die reine Profilbezeichnung ist jedoch das Zusammenspiel aus korrektem Dokument, eindeutiger Zuordnung, Druck- und Downloadmöglichkeit, dauerhafter Verfügbarkeit und geregelter Versionierung. Soll die Anleitung zusätzlich barrierefrei sein, müssen Dokumentstruktur, Lesereihenfolge, Alternativtexte und weitere Anforderungen gesondert berücksichtigt werden; PDF/A allein gewährleistet keine Barrierefreiheit.
Arbeitsteilung zwischen FCT.swiss und ECHO PRM
FCT.swiss erstellt, aktualisiert und übersetzt die technische Dokumentation. Dazu gehören nicht nur Betriebsanleitungen, sondern je nach Projekt auch Risikobeurteilungen, Konformitätsdokumente und weitere technische Informationen. Für die digitale Bereitstellung arbeiten wir mit ECHO PRM zusammen.
Die ECHO-Plattform bildet die digitalen Produktstrukturen ab und stellt Inhalte über eine produktspezifische Web-App bereit. Je nach Ausgangslage können Dokumente manuell im Backend gepflegt, über den ECHO File Uploader synchronisiert oder über APIs mit ERP- und PIM-Systemen verbunden werden. FCT.swiss kann auf Wunsch nicht nur die fertigen Anleitungen liefern, sondern auch bei der Einrichtung, Strukturierung, Zuordnung und laufenden Dokumentenpflege unterstützen.
Vom Pflichtdokument zum digitalen Produktpass
Wer die digitale Betriebsanleitung sauber strukturiert, schafft zugleich eine Grundlage für weitere digitale Produktinformationen. Über den gleichen Zugang können beispielsweise Datenblätter, Konformitätserklärungen, Prüfprotokolle, Wartungsinformationen, Servicekontakte oder Rückmeldemöglichkeiten angeboten werden.
Diese Struktur wird mit Blick auf den digitalen Produktpass zunehmend relevant. Die ESPR legt den europäischen Rahmen für digitale Produktpässe fest. Die konkreten Pflichten werden jedoch nach Produktgruppen durch weitere Rechtsakte definiert - mit jeweils eigenen Datenfeldern, Zugriffsrechten und Fristen. Es wäre deshalb zu pauschal, bereits heute von einer einheitlichen Pflicht für alle oder die meisten Produkte ab 2027 zu sprechen.
Ein konkreter Vorreiter ist der Batteriepass. Ab dem 18. Februar 2027 ist er für Elektrofahrzeugbatterien, Batterien für leichte Verkehrsmittel und Industriebatterien über 2 kWh vorgeschrieben. Die Daten müssen unter anderem strukturiert, maschinenlesbar, interoperabel und aktuell sein. ECHO DPP ist darauf ausgerichtet, solche Datenmodelle, Rollen und Zugriffsrechte abzubilden und den Pass direkt am Produkt verfügbar zu machen.
Jetzt mit einem überschaubaren Pilotprojekt starten
Für den Einstieg muss nicht sofort die gesamte Produktpalette digitalisiert werden. Sinnvoll ist häufig ein klar abgegrenztes Pilotprodukt: Dokumente und Sprachvarianten erfassen, Produktstruktur festlegen, QR-Code und Web-App konfigurieren, Verantwortlichkeiten definieren und den Zugriff unter realen Bedingungen testen. Die gewonnenen Erfahrungen lassen sich anschliessend auf weitere Modelle oder Produktfamilien übertragen.
FCT.swiss begleitet Sie von der normgerechten Dokumentation bis zur strukturierten digitalen Bereitstellung. Gemeinsam mit ECHO PRM entsteht eine Lösung, die heutige Anforderungen erfüllt und sich für kommende Produktpasspflichten weiterentwickeln lässt.
Unsere Leistungen rund um die digitale Bereitstellung finden Sie auf der Seite QR-Code / Digitale Betriebsanleitung.